SOCCER TV TEST PATTERN

2008 | HD-Video | Display | Sinuston

 

 
Ein sportliches Großereignis ist immer auch medial eines. Es hebt die Couch-Potatos aus ihren in den Polstermöbeln zurecht gedrückten Individualsitzkuhlen, um sich zum kollektiven Fernsehvergnügen zusammenzufinden. In der durch die Gruppe hochgepeitschten Emotionsgeladenheit schwingt man sich dann vor den unzähligen TV-Displays zu den abenteuerlichsten Spielanalysen auf. Noch nie zuvor haben sich die Möglichkeiten einer visuellen Analysezerlegung so umfangreich dargestellt, wie in den Reproduktionsvarianten der aktuellen Medienmaschinerie. Bereits Jules Etienne Mareys vorfilmische Chronofotografien zur Verräumlichung einer Bewegung, wie sie Ende des 19. Jahrhunderts entstanden, waren ein „analytisches Sehen vermittels Medienmaschinen“ (Siegfried Zielinski) und suchten als Motiv gerne den Körper in sportlicher Aktion. Im zeitgeistigen Pixeltechnikwahn verliert das analytische Sehen sein eigentliches Objekt der Begierde schon mal aus den Augen und die Medien ziehen in exhibitionistischer Zeigelust die Blicke auf sich selbst. Der analytische Blick manifestiert sich dann als Testbild zur Zurschaustellung medienimmanenter Leistungsmerkmale. Nicht mehr das Ereignis wird hier im Schauen seziert, sondern es ist das Medium selbst, welches dabei ins Visier genommen wird. Die Bildmaschine an sich wird der Analyse unterzogen und offenbart ihren Möglichkeitsspielraum, ihr Spielfeld. Siegfried A. Fruhauf