WATER AND CLEARING

A 2018 | DCP | colour | Dolby Digital 5.1 | 5 Minutes

Mit Wasser, Wiese und Wald beschwört Fruhauf diesmal die Geister. Dabei wird nur ein Holzkübel mit Wasser gefüllt. Aber was davor und dazwischen und dahinter auf die Netzhaut prasselt, während alles drunter und drüber geht, wie Bild und Ton eine Grauen erregende, mit seltsam überweltlicher Energie aufgeladene, ambivalente Verbindung eingehen, während das Gehirn mit Reizen eindeutig überfordert wird – das kann man eigentlich nur als faszinierenden Eintrag im ganz persönlichen Horror-Subgenre dieses außergewöhnlichen Filmemachers betrachten.

(Roman Scheiber)

 

Die Kamera ist starr von oben auf einen hölzernen Bottich gerichtet. Die Aufsichtsperspektive konzentriert sich auf seinen kreisförmigen Grundriss. Der Eimer ist leer. Ruckartig setzt er sich, und mit ihm auch die Kamera, in Bewegung. Eine rasante Kamerafahrt über eine grüne Wiese beginnt. Wir rasen mit einer Seilbahn, an der Kamera und Eimer montiert sind, den Hang hinunter. Das Ganze ereignet sich auf circa 1800 m Seehöhe, auf einer Alm in den Bergen Osttirols.
Mit dem Start der Talfahrt durchbrechen fotografische Einzelbildaufnahmen von einer Waldlichtung, die sich unweit der schützenden Almhütten befindet, kontinuierlich den Fluss der Aufnahme. Im Spannungsfeld zwischen Bewegung und Stillstand entsteht eine originäre Versuchsanordnung, die das Feld der Besetzung und Aufladung von Landschaft vermisst. Ausgehend von den ersten Kamerafahrten, den so genannten Phantom Rides, wird dabei das Wechselspiel von Dynamik und Starre in der Wahrnehmung und (De-)Konstruktion von Landschaft mit audiovisuellen Mitteln untersucht. (Siegfried A. Fruhauf)

Das Werk von Siegfried A. Fruhauf ist von der Idee durchdrungen, die Wahrnehmung kinematographischer Bewegungsabläufe zu erforschen. Dabei bedient sich Fruhauf häufig des Einzelbildes in Form von Kadern oder Fotografien, die er anhand von Mehrfachüberlagerungen und einer strukturellen Montage zu rauschhaften Bewegungsstudien collagiert. In Water and Clearing verfolgt er einen umgekehrten Zugang: Ausgangspunkt bildet hier eine real aufgezeichnete Kamerafahrt – ein Novum bei Fruhauf –, die durch den Einsatz von fotografischen Einzelbildaufnahmen sukzessive ins Stocken versetzt wird, zugleich aber eine Dynamisierung erfährt. Je kürzer die Intervalle, also je stärker fotografisch wirkende Momentaufnahmen der Kamerafahrt in den Vordergrund drängen, desto heftiger geriert sich die kinetische Energie der Bildabfolgen. Im Wechselspiel von Bewegung und Stillstand wird unsere Wahrnehmung quasi zum Stolpern gebracht.

Dramaturgisch ist Water and Clearing geradezu klassisch in drei Akten aufgebaut. Am Beginn steht ein leerer, trockener Bottich aus Holz, der am Ende in nassem Zustand erneut zu betrachten ist. Dazwischen entfacht sich in einer rasanten Tal- und Bergfahrt aus der Vogelperspektive ein Blitzgewitter an Naturimpressionen, dessen Zentrum der kreisförmige Grundriss des Bottichs bleibt. Mit der Befüllung des Kübels mit Wasser im Mittelteil, begleitet von einem sirenenhaften Sound und mit einer Feuerstelle quer montiert, nimmt auch die Abstrahierung bzw. Künstlichkeit der Naturaufnahmen zu. Der farbintensive, atmosphärisch dichte Phantom Ride entpuppt sich als Paraphrase auf die Magie des Kinos, die immer schon mit dem Versprechen der Wahrnehmungsintensivierung und -täuschung verknüpft war. Am Ende kann der durch die furiose Bild- und Tonmontage erhöhte Pulsschlag des Publikums, wie der Holzkübel selbst, wieder in den Ruhe- oder Normalzustand zurückkehren. (Dietmar Schwärzler)

Siegfried A. Fruhauf has been described as a “master of the wave”. If he pulverizes things (objects, movements, landscapes, vistas of vision) down to their smallest components, it is so he can reconstitute them into numerous possible worlds, using the energy waves of image-sound fusion. The film title declares its given elements: a bucket is conveyed to a spot where it is filled and later emptied; and there are views of a field. Then the real film-work begins: intercutting frame by frame, a full sound design, rapid flashing between colour and high-contrast black-and-white. An audiovisual study that reformulates our powers of perception. (Adrian Martin)

Siegfried A. Fruhauf´s work is preoccupied with exploring the perception of cinematographic movement. Fruhauf often makes use of the individual image, whether in the form of film frames or photographs, which he collages via multiple exposure and structural montage into exhilarating motion studies. In Water and Clearing he pursues an inverse approach. The point of departure is provided by the recording of an actual tracking shot, which is a novelty for Fruhauf. Using individual stop-motion frames, the motion of the shot grows gradually more halting, while simultaneously becoming more dynamic. The shorter the intervals are, the more photographically foregrounded the snapshots of the tracking shot become, heightening the kinetic energy of the sequence of images. Our perception is effectively made to stumble through an interplay of movement and stasis.

Meanwhile, dramaturgically speaking, Water and Clearing is classically structured in three acts. In the beginning there stands an empty, dried out tub made of wood. By the end of the film it is seen anew, now in a wet state. In the time between there unfolds a high-speed rollercoaster lightning ride constituted by impressions of nature, observed from a bird´s eye view centered upon the circular form of the tub. Midway through the film, the tub is filled with water, accompanied by a siren like wailing, while traversed by the image of a fireplace – only heightening the level of abstraction and artificiality of the nature shots. This color intensive, atmospherically dense phantom ride reveals itself to be a paraphrasing of the magic of cinema, ever associated with a promise of perceptual intensification and illusion. In the end, the pulse of the audience that has been heightened by Fruhauf´s frenzied image and sound montage is able to return to peace and normalcy, just like the wooden tub itself. (Dietmar Schwärzler, Translation: Eve Heller)