CAMERA TEST

A 2021 | 16 mm on DCP | colour and b&w | Dolby 5.1 | 4 Minutes

Noch während das grüne Startband des 16mm-Films läuft, schwört schon der ratternde Sound auf eine Vorwärtsbewegung ein. Und in der Tat: Es geht vorwärts, es geht aber auch wieder zurück, vorbei an Hügeln, Tannen und Apfelbäumen – irgendwann zoomt der Blick hinein in die vermeintlich vorbeiziehende Landschaft, wird aber auch wieder weiter. Durch das Aneinanderreihen von Aufnahmen, die im Rahmen eines Kameratests entstanden sind, konstruiert Siegfried A. Fruhauf eine filmische „Fahrt“, wobei die Landschaftsbilder jeweils durch mehrere, monochrome Frames des grünen Startbands getrennt sind. Dadurch entsteht ein Stroboskop-Effekt, der kittend und irritierend zugleich ist: Er erzeugt Nachbilder und lässt die Landschaft trotz offensichtlicher Brüche als zusammenhängend erscheinen; gleichzeitig ist der zwischengeschaltete giftgrüne „Blitz“ ein unübersehbarer Hinweis, dass das hier keine „natürliche“ Fahrt, sondern eine filmisch konstruierte ist. Ähnlich wie der Sound, der nicht auf einer linearen Tonaufnahme basiert, sondern auf dem stakkatoartig abgespielten und auf die Stereokanäle aufgeteilten Meeresrauschen, sind auch die Bilder nicht das Ergebnis einer Fahrt von A nach B, sondern die filmische Synthese mehrerer Kameraschwenks über die immer gleiche Landschaft.

Fruhauf arbeitet mit den feinen Unterschieden, die die Fließmuster von Schwenk bzw. Fahrt auf der Netzhaut hinterlassen, und er kennt die Knackpunkte des gerade noch Wahrnehmbaren: Angefangen beim präzisen Einsatz von vier Frames pro Aufnahme (darunter wäre der menschliche Sehapparat nicht in der Lage, die Stromleitungen oder den Gartenzaun zu erkennen) bis zur Rhythmisierung der Bilder, die aus einer „Fahrt“ durch heimische Gefilde einen deren Bestandteile durcheinanderwirbelnden Sturm werden lässt. Während das Pfeifen der Vögel noch Linearität suggeriert, löst Fruhauf die Bilderfolge zunehmend auf: die Landschaft fällt auseinander, zieht nicht nur horizontal vorbei, sondern auch vertikal, schwankt hin und her, läuft zum Teil schräg über den Bildschirm hinaus.

In Zeiten des Klimawandels ist die imposante filmische Dekonstruktion der scheinbar intakten (Kultur)Landschaft ein eindrückliches Sinnbild der Krise: selbst ein Tannenbaum scheint gegen Ende den Kopf zu schütteln und den Betrachter*innen ein vehementes „Nein, nein, nein“ entgegenzurufen, bevor er kopfüber aus dem Bild fällt und man im Stroboskopgewitter vollends die Orientierung verliert. (Christa Benzer)

The green leader of the 16mm film is still running, yet the rattling sound is already committed to forward movement. And indeed, it moves forward, but also back again, past hills, fir trees, and apple trees—and at some point, the gaze zooms into the seemingly passing landscape; but will also be forward again. By stringing together recordings created in the context of a camera test, Siegfried A. Fruhauf constructs a cinematic “journey,” whereby each of the landscape images are separated by several monochrome frames of green leader.

This generates a simultaneously connecting and disturbing stroboscope effect, which generates post-images and allows the landscape to appear continuous despite obvious breaks; at the same time, the interim garish green “flash” offers glaring evidence that here we are dealing with a cinematically constructed journey rather than a “natural” one. Like the soundtrack, which is based on a staccato-style playback of ocean sounds split onto the stereo channels rather than a linear sound recording, the images are the cinematic synthesis of several camera pans across one and the same landscape, and not the result of a journey from A to B.

Fruhauf works with the fine differences that the runoff patterns of pan and tracking shots leave behind on the retina, and he knows the breaking point at which something is still just barely perceptible: starting with the precise application of four frames per shot (less than that, the human eye would not be capable of recognizing the electrical lines or garden fence) through to rhythmizing the images, so that a “journey” through local stomping grounds becomes a storm of the components scattering in all directions. Although the whistling of the birds still suggests linearity, Fruhauf increasingly dissolves the succession of images: the landscape falls apart, not only passing by horizontally, but also vertically, swaying back and forth, and in part running diagonally out past the screen.

In times of climate change, a commanding cinematic destruction of an apparently intact (cultural) landscape is an impressive symbolic image of the crisis: towards the end, even a fir tree seems to be shaking its head and countering the viewer with a vehement “no, no, no,” before falling headfirst out of the image as we completely lose our orientation in a stroboscope storm. (Christa Benzer)

Translation: Lisa Rosenblatt